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DGB-Studie: Junge Beschäftigte besonders häufig von prekärer Arbeit betroffenMehr als die Hälfte der jungen Beschäftigten in Deutschland hatten trotz ihrer kurzen Erwerbsbiographie bereits mindestens einen befristeten Arbeitsvertrag, während es in der Vergleichsgruppe der über 30-Jährigen nur 33 Prozent sind. Auch von Zeitarbeit sind Jüngere überdurchschnittlich häufig betroffen: 15 Prozent der unter 30-Jährigen gegenüber acht Prozent der Älteren. Das ergab eine Studie der des Deutschen Gewerkschaftsbundes, dessen Ergebnisse DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock am Mittwoch in Berlin vorstellte.99 Prozent der Befragten ist ein ausreichendes, leistungsgerechtes Einkommen wichtig oder sehr wichtig. Doch Wunsch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander: 38 Prozent der jüngeren Beschäftigten erhalten ein monatliches Bruttogehalt von unter 1500 Euro – trotz Vollzeitarbeit. 95 Prozent der unter 30-Jährigen wünschen sich Arbeitsplatzsicherheit. „Das straft all diejenigen Lügen, die uns weismachen wollen, junge Leute fänden es aufregend, wie ,moderne Arbeitsnomaden' quer durch die Republik von Unternehmen zu Unternehmen zu ziehen", unterstrich die stellvertretende DGB-Vorsitzende. „Viele junge Menschen sind flexibel und auch hoch motiviert, aber nur, wenn sie existenzsichernde Arbeit zu erwarten haben, die nicht krank macht und ihnen zudem Entfaltung, Aufstiegsmöglichkeiten und ein gutes Betriebsklima verspricht." Es müsse Politik und Unternehmer aufrütteln, wenn über die Hälfte der unter 30-Jährigen Beschäftigten angibt, sich nach der Arbeit leer und ausgebrannt zu fühlen. Sie glauben nicht, unter den gegenwärtigen Arbeitsanforderungen bis zur Rente durchzuhalten, betonte Ingrid Sehrbrock und mahnte dringendes Umsteuern hin zu „guter Arbeit“ an. „Schon heute lastet auf den bis zu 30-Jährigen ein enormer Druck. Und er wird in den nächsten Jahrzehnten angesichts der alternden Gesellschaft noch zunehmen, wenn die Jüngeren für den Wohlstand vieler sorgen müssen.“ Links: DGB-Studie zur Arbeitsqualität von jungen Beschäftigten 536kB pdf Zusammenfassung DGB-Studie zur Arbeitsqualität junger Beschäftigter 361 kB pdf
Online-Petition: Petitionsausschuss des Bundestages muss anhören!Vor kurzem haben wir über die Petition vom DGB Bundesvorstand berichtet, die zusammen mit dem Verein Fairwork e.V. an den Bundestag gerichtet wurde. Update: Am 22.12.06 um 10:04 war die magische Grenze von 50.000 Unterzeichnern gebrochen (Update 10.01.07: Aktuelle Zahl der Unterzeichner: über 60.000). Das heißt: Silvia Helbig vom DGB Bundesvorstand, Abteilung Jugend, die diese Petition online eingereicht hat, muss vom Petitionsausschuss des deutschen Bundestages gehört werden, es sei denn, der Petitionsausschuss lehnt die Anhörung noch mit einer 2/3-Mehrheit ab. Ein nettes "Weihnachtsgeschenk" für die Generation Praktikum.
DGB legt Maßnahmen-Katalog für Schutz von PraktikantInnen vorUm den zunehmenden Missbrauch von Praktikantinnen und Praktikanten als unter- oder unbezahlte Arbeitskräfte einzudämmen, hat der DGB einen Maßnahmen-Katalog entwickelt. Dazu sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock in Berlin: "Immer mehr junge Menschen werden durch unbezahlte oder unterbezahlte Praktika hingehalten und häufig auch betrogen. Dazu kommt die negative Auswirkung für den Arbeitsmarkt. Statt reguläre Stellen einzurichten, bedienen sich Arbeitgeber der billigen Praktikanten. Diese schamlose Ausbeutung muss beendet werden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert eine eindeutige rechtliche Regelung. Das Praktikum muss gesetzlich als Lernverhältnis definiert werden. Inhalt, Dauer und Vergütung müssen geregelt werden. Reguläre Stellen dürfen nicht durch Praktika ersetzt werden."Die DGB-Jugend hat am heutigen Freitag gemeinsam mit dem Verein fairwork eine Online-Petition zum Schutz von Praktikantinnen und Praktikanten beim Deutschen Bundestag eingereicht. Die Petition im Wortlaut: Zitat: "Für eine klare Trennung von Ausbildung und Arbeit und eine Mindestvergütung für Praktika Die Forderung: Praktika u.ä. Lernverhältnisse müssen per Gesetz eindeutig von Arbeitsverhältnissen abgegrenzt werden, damit sie keine regulären Stellen ersetzen. Praktika müssen auf drei Monate begrenzt und mit mindestens 300 Euro pro Monat vergütet werden. Volontariate u.ä. Berufseinstiegsprogramme müssen mit mindestens 7,50 Euro pro Stunde vergütet werden. Die Begründung: In den letzten Jahren haben prekäre Beschäftigungsverhältnisse von jungen Menschen zugenommen. Der Eintritt in das Berufsleben wird immer schwieriger. Um der Arbeitslosigkeit zu entgehen, sehen sich immer mehr junge Menschen genötigt, prekäre Beschäftigungsverhältnisse einzugehen indem sie bspw. un- oder unterbezahlte Praktika absolvieren. In der Konsequenz hat sich in mehreren Branchen ein "Praktikanten-Arbeitsmarkt", insbesondere von Akademikerinnen und Akademikern herausgebildet. Dieser zeichnet sich durch ein extrem hohes Qualifikationsniveau, flexibelste Arbeitszeiten, niedrige Sozialstandards sowie geringe bis keine Entlohnung aus. Dauern diese Praktika darüber hinaus länger als drei Monate, ist anzunehmen, dass das eigentliche Lernverhältnis Praktikum die Schwelle zu einem regulären Arbeitsverhältnis längst überschritten hat und dementsprechend vergütet werden muss. Eine ähnliche Ausbeutungssituation kann auch unter dem Etikett "Volontariat" stattfinden. Eine solche Beschäftigung unter Etiketten wie "Praktikum" oder "Volontariat" ist prekär, wenn nicht sogar sittenwidrig. Trotz Arbeit kein existenzsicherndes, planbares Einkommen zu erzielen, diese paradoxe Situation hat schwerwiegende soziale Konsequenzen für die jungen Menschen. Prekäre Beschäftigungsformen gehen oftmals einher mit materieller Armut, sozialer Unsicherheit und einer pessimistische Sicht auf den eigenen Werdegang. Nicht zuletzt verzögert sich die Familiengründungsphase der Betroffenen oder es wird aus Angst ganz auf Kinder verzichtet. Nicht nur die Praktikantinnen und Praktikanten leiden unter dieser Situation. Auch für den Staat ergeben sich negative Folgen: Immer mehr reguläre Arbeitsstellen werden durch Praktika ersetzt. Da auf diesem "Praktikanten-Arbeitsmarkt" gar kein oder nur ein sehr geringes Gehalt gezahlt wird, werden keine oder nur geringe Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abgeführt. Indem der Staat den Unterhalt der Praktikanten mitfinanziert, zahlt er sogar noch drauf. Darüber hinaus wirkt sich die fehlende Konsumkraft der prekär Beschäftigten negativ auf die Binnennachfrage aus. Die laut Berufsbildungsgesetz (BBiG § 26 bzw. §17) den Praktikanten und Volontären zustehende angemessene Vergütung (lt. BAG Urteil sind allerdings Pflichtpraktika im Rahmen des Studiums vom BBiG ausgenommen), wird von den Unternehmen selten gezahlt. Da viele Praktikantinnen und Praktikanten auf einen Berufseinstieg im Unternehmen hoffen, verzichten sie zumeist auf ein Einklagen ihres Anspruchs, der ihnen laut BBiG zusteht. Das Einklagen des Vergütungsanspruchs im Falle eines regulär geleisteten, aber unterbezahlten Arbeitsverhältnisses laut § 138 II BGB (Tatbestand Lohnwucher: Der gezahlte Lohn liegt unter 80% der durchschnittlichen Bezahlung) gestaltet sich schwierig, da bisher in jedem Einzelfall von dem Betroffenen nachgewiesen werden muss, dass kein Lern- sondern ein Arbeitsverhältnis vorgelegen hat. Hier bedarf es einer genaueren gesetzlichen Definition des Lern- in Abgrenzung zu einem Arbeitsverhältnis, damit Missbrauch vermieden werden kann. Folgende Punkte sollten bei einem gesetzlichen Schutz von Praktikantinnen und Praktikanten berücksichtigt werden:
Aufgrund des zunehmenden Missbrauchs von Praktikanten als unterbezahlte Arbeitskräfte besteht ein rechtlicher Anpassungsbedarf im Arbeitsrecht und Berufsbildungsgesetz.
Arbeitgeber gegen Müntes VorstoßMünte will die Generation Praktikum beerdigen. Die Arbeitgeber schreien auf. "Der Arbeitsmarkt ist bereits überreguliert. Vorschriften wie zeitliche Befristungen würden nur dazu führen, dass Unternehmen keine Praktika mehr anbieten", sagte Christoph Anz, Bildungsexperte bei der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), der "Financial Times Deutschland". Der Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Heribert Jöris, ist gegen eine zeitliche Begrenzung von Praktika: "Missstände lassen sich über Zeitschienen nicht bekämpfen", so Jöris. Beide reagierten damit auf einen Vorstoß von Bundesarbeitsminister Franz Müntefering, der gesetzliche Reglungen gegen die Ausbeutung von Praktikanten erwägt.Gegenüber Spiegel Online sagt Anz weiter, es sei "sachlich falsch", dass die Zahl der Praktika zugenommen habe. Die Unternehmen könnten es sich gar nicht erlauben, Praktikanten schlecht zu behandeln. "Das spricht sich schnell herum und führt dazu, dass gute Hochschulabsolventen diese Unternehmen meiden", so Anz weiter gegenüber Spiegel Online. Man solle nicht von Missbräuchen in der Medienbranche auf alle Branchen schließen. Doch wer sich die Bewertung von Praktika in der Datenbank von der DGB-Initiative "Students at work" ansieht, findet dort durchaus auch Firmen außerhalb der Medienbranche. Was natürlich nicht heißen soll, dass dort nur negative Erfahrungen vorzufinden sind. Ganz im Gegenteil: Gute und schlechte Praktikumsbewertungen halten sich in etwa die Waage (an den Ergebnissen der HIS-Studie, die wir vor kurzem dargestellt haben, scheint also etwas dran zu sein). Trotzdem ist das Problem der Generation Praktikum nicht zu leugnen. Jörg Tauss, bildungs- und forschungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion dazu: "Dass die Verbände das Problem der sogenannten "Generation P" leugnen, zeigt einmal mehr die Ignoranz der Wirtschaft gegenüber Missständen, solange sie ihren einseitigen Vorteil daraus ziehen kann. Auch wenn natürlich längst nicht alle Branchen in gleicher Weise betroffen sind, sollte die Wirtschaft insgesamt ihre Blockadehaltung aufgeben und gemeinsam mit den Gewerkschaften und der Politik an der Verbesserung der Perspektiven von jungen Berufsstartern mitarbeiten. Es ist die Bringschuld der Wirtschaft, diesen jungen Menschen eine klare Perspektive zu bieten. Daher ist die Ignoranz gegenüber der Generation P völlig unverständlich. Richtiger wäre es, wenn die Wirtschaftsverbände aktiv dazu beitrügen, die "schwarzen Schafe" in den eigenen Reihen stärker in die Pflicht zu nehmen und zu einem fairen Umgang mit jungen Berufseinsteigern anzuhalten. Viele Unternehmen sind da bereits weiter und gehen mit Selbstverpflichtungen zum fairen Umgang mit Praktikantinnen und Praktikanten voran." Dem kann ich mich nur anschließen, auch wenn ich in Sachen Maßnahmen zur Bekämpfung der Generation Praktikum nicht 100%ig einer Meinung mit Jörg Tauss bin.
Endlich: DGB-Jugend bietet Plattform für PraktikantenNachdem die Generation Praktikum durch die Massenmedien ging und von mehreren Seiten ein Einschreiten der Gewerkschaft(en) gefordert wurde, unter anderem auch hier, gibt es eine Antwort der DGB-Jugend:
Eine Plattform, auf der (Ex-)Praktikanten die Praktikastellen bewerten können und die Ergebnisse veröffentlicht werden. Außerdem gibt es ein Checkliste für ein faires, qualifiziertes Praktikum, einen Leitfaden für ein "Faires Praktikum“, einen Newsletter zum Thema Praktikum sowie Links zu Praktikumsbörsen und anderen weiterführenden Stellen im Netz.
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