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Generation Praktikum Nummer Zwei?Für eine "neue Generation Praktikum" sei allerhöchste Zeit. Das meldete der Tagesspiegel kürzlich in einem Kommentar: Die Zeiten, in denen Hochschulabsolventen zu Dauerpraktikanten wurden, seien vorbei. Das "akademische Proletariat" habe inzwischen "anständige Arbeit" gefunden. Das Instrument Praktikum selbst sei ruiniert zurückgeblieben. Mit einer negativen Konnotation im Dunstkreis von Schlagworten wie Niedriglöhner, Mindestlohn, Ausbeutung und Co. Unverdienter Weise.Und wer ist Schuld daran? Die bemitleidenswerten Vertreter der "alten Generation Praktikum", die ihre Probleme, Sorgen und Ängste publik machte - in Demonstrationen, Petitionen und vielen anderen Initiativen. So wäre ein schlechtes Bild von Praktikumsstellen in der Öffentlichkeit entstanden: Wer heutzutage ein Praktikum absolviert, würde automatisch bemitleidet - so zumindest die Meinung von Ursula Weidenfeld im Kommentar "Ganz praktisch, so ein Praktikum". Dass ein Praktikum ein sehr guter Weg ist, um in den Job einzusteigen, Praxisluft in der Wunschbranche zu schnuppern, Fuß zu fassen - und zwar nicht nur für ältere Arbeitnehmer oder auf dem Arbeitsmarkt Benachteiligte - darin sind wir uns einig mit der Kommentatorin des Tagesspiegels. Dass aber durch die Schaffung eines öffentlichen Bewusstseins für die Situation von Hochschulabsolventen als Dauerpraktikanten, die bei Weitem noch nicht ausgestanden ist, ein schlechtes Licht auf das Instrumentarium "Praktikum" gefallen sein soll, finden wir zweifelhaft: Es ging der "alten Generation Praktikum" nie darum, die Sinn- und Zweckhaftigkeit eines Praktikums in Frage zu stellen. Dass faire Praktika sowohl für das Unternehmen (neue Impulse von außen, zeitlich befristete Unterstützung, Kennenlernen von Nachwuchskräften) als auch für den Praktikanten (Kennenlernen von Menschen und Arbeitsweisen, Prüfen ob der Traumjob träumen lässt, Schärfung des eigenen Profils...) Vorteile bringt und somit eine Win-Win-Situation darstellt, wurde nie zur Diskussion gestellt. Weder von diplomierten Dauerpraktikanten noch von Initiativen, Verbänden oder gar der Politik. Das Instrument Praktikum ist und war also schon immer sinnvoll. Hilfreich. Nützlich. Eine Ausbildungsmöglichkeit. Eine Chance für einen erfolgreichen Berufseinstieg. Eine offene Türe in die Arbeitswelt. Jedoch nur, wenn es sich dabei um ein qualifiziertes und faires Praktikum handelt - entweder zwischen Schule und Studium, während der Schule (Schulpraktikum), während des Studiums oder als Übungszeit im Betrieb auf dem Weg zu einer regulären Stelle oder einem Ausbildungsplatz. Ein Praktikum nach dem Studium, nicht qualifizierend und unter unfairen Bedingungen (Substitution von Vollzeitstellen, keine Entlohnung, etc.) allerdings ist das Gegenteil: Es senkt den Marktwert des Bewerbers, bringt meist nur den Firmen Vorteile, nicht aber den Praktikanten. Von einer Erleichterung beim Berufseinstieg kann in diesen Fällen also keine Rede sein. Diesen Missstand an's Licht der Öffentlichkeit zu bringen und ihn zu bekämpfen, darum geht es der "alten Generation Praktikum" - und wenn sie mit ihren Initiativen auch auf offene Ohren gestoßen ist, die Politik Handlungsbedarf erkannt hat, so ist die "alte Generation Praktikum" noch lange nicht am Ziel angelangt. Schwarze Schafe, die Praktikanten als willige Billiglöhner ausnutzen gibt es nach wie vor. Wir sehen also keine Ära für eine "neue Generation Praktikum", wie der Tagesspiegel schreibt - denn dass ein Praktikum eine hilfreiche Stufe auf der Karriereleiter sein kann, bestreitet die "alte Generation Praktikum" nicht, nur dass viele Menschen auf dieser Stufe sitzen bleiben (müssen), das ist ein Problem, das es noch immer zu lösen gilt.
Buchtipp: Kraft des ScheiternsScheitern muss nicht das Aus bedeuten. Im Gegenteil, man muss scheitern dürfen, um lernen zu können. Im Alltag wird dem Gescheiterten aber mit Vorurteilen begegnet. Das Buch "Kraft des Scheiterns" ist eine Anleitung ohne Anspruch auf Erfolg, untersucht Ursachen und Gefahrenzonen im sich rasant wandelnden Gesellschaftssystem des 21. Jahrhunderts und zeigt neue Wege im Umgang mit dem Scheitern. Ein Kapitel widmet sich dabei den Problemen und Chancen der Generation Praktikum.Lesenswert! Infos zum Buch: Gebundene Ausgabe: 292 Seiten Verlag: Leykam; Auflage: 1 (10. Mai 2008) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3701176132 ISBN-13: 978-3701176137 Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 14,2 x 3 cm
Praktikanten-Roman erschienen"Zwölf Stunden sind kein Tag" heißt ein neuer Praktikanten-Roman von Boris Fust, der diesen Monat im Piper-Verlag erscheint.Und darum geht es: Arne gehört zur Generation Praktikum. Er jobbt zur Zeit in einer Werbeagentur bei einem größenwahnsinnigen Agenturchef. Und zu Hause wohnt über ihm der Junkie Herr von Eisen, auch kein Vergnügen. Mitpraktikantin Jeanette dagegen ist ein Lichtblick, Arne verliebt sich. Doch Jeanette zieht an ihm vorbei, dass ihm der Fahrtwind nur so um die Ohren pfeift. Arne muss etwas tun. Sollte am Ende Herr von Eisen ihm auf die Sprünge helfen? Boris Fust erzählt temporeich, schonungslos offen und sehr witzig, wie es ist, heute ein Praktikant zu sein. Infos zum Buch: Der Praktikanten-Roman Erschienen: Juli 2008 224 Seiten Kartoniert € 7,95 [D], € 8,20 [A], sFr 15,00 ISBN: 9783492251334
Empirie: Trend der Generation Praktikum bestätigtBildungspolitik ist in Deutschland Chefsache. Und dennoch: Auch der zweite Nationale Bildungsbericht der Kultusministerkonferenz fördert nach wie vor Alarmierendes zu Tage. Danach haben vier von zehn Jugendlichen ohne Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss auch zweieinhalb Jahre nach Verlassen der Schule noch keinen Ausbildungsplatz. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht die Ursache des Lehrstellenmangels für Hauptschulabgänger in der schlechten Qualifikation: Etwa 20 Prozent der Jugendlichen könnten gerade mal auf Grundschulniveau lesen, schreiben und rechnen. Unter anderen Voraussetzungen, so der DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben, könnten mindestens 30.000 Ausbildungsplätze mehr angeboten werden. Damit stellt sich die Frage, ob die Einführung eines Ausbildungsbonus für Betriebe, die so genannten "benachteiligten Jugendlichen" eine Lehrstelle geben, auf große Akzeptanz bei den Ausbildungsbetrieben stößt - und ob die Investition nicht unter Umständen fehlgeleitet ist. Fakt ist in jedem Fall: Die Bildungsausgaben in Deutschland liegen unter dem OECD-Schnitt, so der Nationale Bildungsbericht, und halten nicht mit dem Wirtschaftswachstum Schritt. Und während Angela Merkel die abstrakte Vision von der "Bildungsrepublik Deutschland" verfolgt und sich im Rahmen einer "Bildungsreise" so zu sagen ein Bild machen möchte, fordert die Opposition den "Bildungssoli". Es bleibt also weiterhin spannend.Jobs.de durchsucht täglich über eine Million Websites deutscher Unternehmen nach Stellenanzeigen. Die daraus generierten Daten wertet die JobScout24 GmbH monatlich nach Bundesländern und Großstädten, Tätigkeitsbereichen sowie den ausgeschriebenen Positionen aus. Einige interessante Ergebnisse aus dieser Analyse bestätigen das Phänomen "Generation Praktikum" in Deutschland. Von allen analysierten Stellenausschreibungen richten sich lediglich 4 Prozent aller ausgeschriebenen an Schulabgänger (Ausbildungsplätze). Noch spärlicher gesäht sind mit einem Anteil von 3 Prozent die Vakanzen, die sich an Berufseinsteiger mit abgeschlossener Ausbildung oder Studium wenden. Hier macht sich der Trend zur "Generation Praktikum" bemerkbar: 9 Prozent aller Ausschreibungen sind Praktika.
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