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Das Wandern ist des Praktis Lust

"Das Dopen ist des Ullis Lust" passe auch auf die Melodie von "Das Wandern ist des Müllers Lust" meint Tobias Peter von jetzt.de.
Er findet "Wandern ist scheiße": "Heute hier, morgen dort: nicht verwurzelt, immer weniger Freunde, keine feste Beziehung. Einsamkeit. Dennoch müssen heute sehr viele wandern, vor allem in der jungen Generation: immer dorthin, wo das nächste Arbeitsangebot und zumindest eine kleine Hoffnung auf eine dauerhafte Perspektive besteht. Vorfahrt für Arbeit, nennt das unser Bundespräsident Horst Köhler."

Tobias Peter hat mich überzeugt: Wandern ist scheiße. Nur: So lange das bei den Politikern noch nicht angekommen ist die Generation Praktikum noch nicht zu einem Kollektivproblem in Deutschland geworden ist, werden das Liedchen "Wandern ist des Praktis Lust" einige noch ganz gut finden. Klingt doch auch schön. Haben wir so ähnlich schließlich alle schon mal gesungen.




Noch ein "P.S." in eigener Sache:
Liebe Leserinnen und Leser, habt ihr Praktikumserfahrungen gemacht (postiv/negativ/neutral) und wollt diese mitteilen oder habt ihr eigene Gedanken zum Thema "Generation Praktikum"? Dann könnt ihr mir diese gerne schicken, das Blog freut sich über Gastautoren!


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Schnellster Praktikant der Welt

O2 Germany kann das - they "can do": Die Firma sucht im Rahmen des Gewinnspiels "Race Job" den "schnellsten Praktikanten der Welt". Auf den Gewinner wartet ein vierwöchiges Praktikum beim Marketing-/Event-Team des BMW Sauber F1 Teams in Hinwil in der Schweiz. Gehalt? Gibt's keins, versteht sich. O-Ton von Michael Rattenhuber, O2-Pressestelle: "Das Praktikum dauert vier Wochen und vorerst ist keine Entlohnung angedacht".

Klar, scheint doch die PR-Kampagne für den Wettbewerb schon einiges zu kosten: Vom 26. August bis 31. Oktober 2006 wird auf RTL via Fernsehspots während der Formel 1-Übertragungen zur Teilnahme am Gewinnspiel aufgerufen, Printanzeigen gibt es in der SportBILD und der auto, motor & sport und online wird auf sport1.de, sportbild.de und f1total.com nach Anwärtern auf den Titel "Schnellster Praktikant der Welt" gesucht.

Was man mitbringen sollte, wenn man hin will nach Hinwil, um "fer umme" zu rackern das tolle Praktikum zu bekommen? Benzin im Blut und einen vielversprechenden Lebenslauf.

Zum Ablauf des Wettbewerbes in der Pressemitteilung von o2 Germany: Zunächst müssen sich alle Interessenten unter www.o2online.de bewerben. Anschließend werden aus allen Anmeldungen 20 Teilnehmer ausgewählt, deren Lebenslauf und Affinität zum Motorsport überzeugen. Im Rahmen eines weiteren Auswahl-Events, bei dem die Vorstellungsgespräche geführt werden, wird dann der "schnellste Praktikant der Welt" ermittelt.

Vielleicht sollte man sich bei dem Wettbewerb beteiligen: Man müsste gewinnen, das Praktikum absolvieren und, wenn man feststellt, dass der Lerneffekt beim Praktikum nicht im Vordergrund steht, auf Lohnnachzahlung klagen ;-) We could do that... Wir könnten aber auch einfach nur den Kopf schütteln und nicht nach Hinwil hin wollen.


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Generation Praktikum - eine Persiflage

Motiviert durch die Titelgeschichte "Generation Praktikum" im SPIEGEL Nr. 31/31.07.06

Mein Name ist Giovanni Sanchez. Ich habe mit 18 Jahren, da ich ein Jahr vorziehen durfte, trotz Aufenthalts in den USA und in Frankreich, mein Abitur gemacht. Da mein Vater Unternehmer aus Madrid und meine Mutter Tochter eines Großindustriellen aus Turin ist, spreche ich infolge meines in Deutschland absolvierten zweiten Staatsexamens fünf Sprachen fließend. Während meines Doppelstudiums als Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler an einer teuren Privathochschule in Berlin, beide mit „sehr gut“ abgeschlossen, eignete ich mir nebenher sprachliche Kenntnisse in Japanisch und Chinesisch an, da ich ein begeisterter Ostasien-Fan bin und mir gleich zweimal die Möglichkeit geboten war, Auslandssemester einmal in Tokio und einmal in Shanghai zu verbringen. In Berlin half ich während der WM 2006 als Volontär in der Fanmeile aus und koordinierte Touristen in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Berlinizer. Außerdem bin ich, seit ich mit 18 Jahren nach Berlin kam, freiwillig beim Roten Kreuz tätig. Um meine Freizeit so produktiv wie möglich zu gestalten und sie auch optimal auszufüllen, engagierte ich mich nebenher stets in regelmäßigen Abständen als studentische Hilfskraft in den in Berlin ansässigen Tochterunternehmen meines Großvaters mütterlicherseits sowie in jener Zweigstelle der väterlichen Unternehmung. Mitteleuropa jedoch war nach meinem BWL-Master und den beiden Staatsexamen in Jura nicht mehr erfüllend. So kam mir das Stipendium aus Harvard ganz recht, welches ich innerhalb von einem Jahr nutzte, um meinen Master of Law zu erwerben. Der Zank zwischen meinen Eltern hatte jedoch die Familie geteilt, so auch mich, also lehnte ich es ab, in einer der Unternehmen Vaters oder Opas nun tätig zu werden. Ich ging zurück nach Berlin, um dort als Wirtschaftswissenschaftler zu promovieren. Nachdem auch dies glückte, aber mir klar wurde, dass sich der Verfall meiner Familie nicht aufhalten ließ, ging ich nach Ostasien. Es wurden mir trotz meiner Qualifikationen Jobeinstiege in den outgesourcten Abteilungen westlicher Giganten verwehrt, es fehlte oftmals an praktischer Erfahrung. So verbrachte ich zwei Jahre ein sehr schnödes, langweiliges Leben als Praktikant, ziehend von chinesischer Großstadt zu chinesischer Großstadt. Meinen Charakter verdarb es nicht, im Gegenteil, mir machte der Kampf ums Überleben nicht viel aus, denn ich lebte ja eben noch. Mein Chinesisch war nun sehr gut, als ich mich mit Ende zwanzig dazu entschloss, meine Erfahrungen dem Westen zu zeigen. Ich ging in die Stadt, in der ich studierte. Berlin. Es folgten Praktika. Einige entgeltlich, einige unentgeltlich. Eines nur etwa sechs Monate, ein anderes fast ein Jahr, ein drittes wieder nur ein halbes. Oftmals fehlten die Arbeitsplätze – so wurde mir berichtet – oder ich sei zu überqualifiziert, oder aber, mir fehle die Kompetenz, Theorie in praxi anzuwenden – Unterqualifikation! Ich fühlte mich mit Anfang Dreißig so langsam ad absurdum geführt. Ich versuchte mich an Lehrstühlen zu bewerben – international! – doch es half nichts. Jetzt arbeitete ich als Kellner in New York. Die Absteige, in der ich wohnte, war nicht ganz dem Haus meines Vaters in Madrid gleich, schon gar nicht dem Haus meines Großvaters in Turin. Aber man lebte ja noch. Nur irgendwie dämmerte es mir langsam, ich hatte alles erreicht, aber irgendwie… hatte ich gar nichts erreicht. Ein guter Freund aus meiner Studienzeit hatte mich neulich überraschend in meiner Kneipe getroffen, in der ich Teller schubste. Er meinte, er hätte etwas ganz anderes damals gemacht. Nach Praktika, die er nicht mehr zählen wollte, entschloss er sich im Malerbetrieb seines Vaters einzusteigen und dort die Kostenrechnung und Buchführung zu machen. Er lernte eine Frau kennen, sie heirateten, machten Kinder. Er sei gerade mit einem anderen Freund hier in New York. Sein Lebenstraum! Aber er sei glücklich. Dann winkte er lächelnd und ging. Ich schaute ihm nach. Zum Feierabend ging ich nach Haus und öffnete den Briefkasten. Ich machte den ersten Brief auf, eine Absage… Der zweite Brief enthielt ein Angebot als freiwilliger Praktikant in einer Anwaltstretmühle in Manhattan. Ich denke, ich werde es annehmen…


Diese Persiflage schrieb unser Autor Rico Kullik.


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"Es war Zeit für eine Satire"

"Manchmal", schreibt Marie in ihr Poesiealbum, "ist das Leben wie eine Perlenkette: Alles hängt zusammen, aber bald geht es bergab." Für das Mädchen aus Erbsing ändert sich alles, als ihre Mutter stirbt und sie bemerkt, dass außer ihr kein Jugendlicher mehr in dem bayerischen Provinznest lebt. Also macht sich Marie auf dem Weg zum Arbeitsamt, wo ihr ein Praktikum in einem Münchner Nachtclub angeboten wird. Marie sagt zu. Doch im "Neurotic Cafe" muss sie erkennen, dass die Genfer Konvention nicht für Praktikanten gilt – und dass zu lieben noch schwieriger ist als zu arbeiten.
Das ist Kitsch. Und auch wieder nicht. "Marie – Praktikantin aus Leidenschaft", heißt die Radionovela, die Hans Strecker und Henriette Kuhrt für den Zündfunk auf Bayern 2-Radio erfunden haben. Zehn Folgen lang haben sie Marie durch die Praktikantenhölle gehen lassen – und die überforderte Jugend von heute bewusst von der lächerlichen Seite betrachtet.
Im Interview erzählt Henriette Kuhrt von der Arbeit am Klischee, dem wahren Kern der Karikatur und von ihren eigenen Erfahrungen als Praktikantin.

Wie sind Sie auf die Idee zu einer Radionovela rund um eine Praktikantin gekommen?
Henriette Kuhrt: "Die Idee der Radionovela war vom NDR geklaut – mit „Havarie der Herzen“ waren die einfach die ersten. Dass dann eine Praktikantin im Zentrum der Novela stand, bot sich an: Wenn man sich als Außenseiter in einer fremden Welt bewähren muss, und dann noch in der sozialen Hierarchie ganz unten steht, passt das doch hervorragend in das Schema einer Novela. Außerdem war es Zeit, die viel bemitleidete „Generation Praktikum“ zu einer Satire zu verwursten."

Henriette Kuhrt. Foto: PrivatHaben Sie zur Inspiration in Nachtclubs oder bei Telenoveals recherchiert? Oder im Bekanntenkreis?
"Menschen nach ihrem Musikgeschmack zu be- und vor allem abzuwerten, passiert ziemlich häufig, wie ich finde. Insofern hat die Folge, in der Holger, der arme Mitpraktikant Maries, aufgrund seines Musikgeschmacks vom DJ gefoltert wird, schon einen wahren Hintergrund. Richtige Novelas oder Soaps sehe ich nie. Aber ich habe definitiv einen Hang zum Trivialen."

Marie ist so unglaublich naiv, unbedarft und treuherzig - man könnte meinen, ihr Schicksal geschehe ihr recht...
"Da muss ich Marie mal verteidigen. Sie urteilt über niemanden und will, dass es allen gut geht. Dass sie dabei in so groteske Situationen gerät liegt, dass die Werte des Nachtlebens – absurdes Musikwissen, beliebige, aber tyrannische Geschmacksurteile, im richtigen Moment fies sein – das absolute Gegenteil dazu sind. Außerdem fallen mir spontan mindestens drei Praktikanten aus Leidenschaft ein, wenn ich an meine Arbeit oder andere Praktikanten denke. Ich glaube, der Typus des verschüchterten, gutherzigen Praktikanten, der es allen Recht machen will, ist äußerst häufig."

„Marie“ ist Arbeit am Klischee – aber so, wie sich das Ergebnis anhört, war die Arbeit vor allem ein großer Spaß.
"Die Arbeit war super. Ich hatte vorher immer nur Reportagen oder Erzählungen geschrieben, darum war es toll, mal an einem Manuskript für ein Hörspiel zu arbeiten. Die Schauspieler haben großartig gesprochen, wir konnten das BR-Hörspielstudio benutzen, hatten Ron Schickler als Produzenten, der sich unglaublich reingehängt hat und jede Melodie eigens für „Marie“ komponiert hat – da haben sich lauter tolle, begabte Leute engagiert."

20 Stunden Arbeit, Intrigen und 9-Quadratmeterzellen - soweit die Fiktion. Wie sehen Sie die Lage der Praktikanten im Ernst? Was ist der wahre Kern Ihrer Karikatur?
"Ich mache ja selber gerade ein Praktikum bei der ZEIT, um meine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule abzuschließen. Diese dramatische Lage, die da gezeichnet wurde, halte ich – nach meinen Beobachtungen – für übertrieben. Meistens führen Praktika doch zu Kontakten, Folgeaufträgen, Jobs, zu irgendetwas, was sich später vielleicht rentiert. Viel mehr muss man sich doch um die Leute Sorgen machen, die völlig außerhalb des Systems stehen und es sich nicht leisten können, für 500 Euro im Monat zu arbeiten."

Den Regeln des Genres folgend, geht für Marie am Ende irgendwie alles gut aus - dank des Schicksals. Was müsste in der Realität passieren, um die Situation von Praktikanten zu verbessern?
"Das kann jeder Praktikant selbst hinkriegen: Zu lernen, nein zu sagen, zu sagen: Das mache ich nicht. Wer sich nicht abgrenzen kann, kann wirklich ziemlich schnell in einen Fleischwolf geraten – besonders, wenn man sich noch der Illusion hingibt, dass man eine freie Stelle dafür kriegt, wenn man bis zwölf Uhr nachts im Büro sitzt."

"Abschied ohne Wiederkehr", heißt die letzte Folge. Ist das so oder wird es eine zweite Staffel geben?
"Hängt davon ab, ob wir es schaffen, alle wieder an einem Ort zu sein und dann genügend Zeit dafür haben. Ich bin derzeit ohnehin nicht in München, und die Arbeit an „Marie“ war sehr anstrengend und zeitintensiv. Den Aufwand haben wir unterschätzt."


Jens Poggenpohl. Foto: Privat
Das Interview führte unser Autor Jens Poggenpohl.


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Generation P: Portraits

Um nicht nur theoretisch die Probleme der Generation Praktikum zu beleuchten und das Phänomen zu hinterfragen, gibt es hier ein paar Links als Handreichung: Sie führen zu Porträts von Vertretern der Generation P.

Drei Vertreter der Generation Praktikum werden hier vom Fluter (Bundezentrale für politische Bildung) vorgestellt:
http://www.fluter.de/heftpdf/issue39/artikel4072/pdf_article4072.pdf

Eine Zugfahrt, ein Gespräch über die Generation Praktikum und eine Art Porträt von Jan, ein Dauerpraktikant:
http://www.campusclick.de/?nav=artikel&id=903

Der "Fall" Tina Richter (Gründerin des Vereins Fairwork e.V.):
http://www.taz.de/pt/2005/06/22/a0230.nf/text


to be continued.


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