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SZ: Generation Praktikum, mehr Mut und Wut!

Steffen Kraft, der gerade mit dem Axel Springer Preis für junge Journalisten ausgezeichnet wurde, schreibt in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel mit dem Titel "Generation Praktikum: Mehr Mut, mehr Wut" und vermisst darin ein Selbstbewusstsein des Prekariats (wie er die Mitglieder Mitleider der Generation Praktikum nennt), ein Sich-Organisieren gegen "unfaire" Praktikumsstellen. Die Dauerpraktikanten versänken in Deutschland eher im Selbstmitleid, im kollektiven Drüberreden-Wollen und nähmen dann doch die nächste Praktikumsstelle an. Klar ist das recht einfach kritisiert (die Alternative wäre Arbeitslosigkeit). Dennoch gibt Kraft einige Tipps auf den Weg, um aus der Praktikumsmühle auszubrechen: Sich Ziele setzen, die man durch das Praktikum erreichen will. Evaluiert man das Praktikum vor dem Hintergrund dieser Ziele (während oder nach dem Praktikum), kann man bilanzieren: Praktikum abbrechen ("sich selbst kündigen") und keine weiteren Praktika mehr absolvieren, oder vielleicht doch noch ein weiteres Praktikum, um sich weiter zu spezialisieren?


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Absolventenpraktika?

Die Zahlen sind bekannt: "Etwa 200.000 Absolventen verlassen jährlich deutsche Hochschulen – und anstatt im festen Job landen viele Akademiker dann in einem Praktikum." Bei einem Praktikum bleibt es dann oft leider nicht, einige Hochschulabsolventen werden zu Dauerpraktikanten: Die Generation Praktikum. Wie aber entkommt man dieser Praktikumsmühle?
Der Praktikumsknigge, ein Buch-Ratgeber für Praktikanten, rät:

"1. Zielgerichtet bleiben: nur Praktika in der Branche machen, in der sie definitiv arbeiten wollen.
2. Nicht ausbeuten lassen: keine unbezahlten Praktika machen und nicht länger als sechs Monate arbeiten.
3. Geld verdienen: Von Beginn an immer wieder nach der Möglichkeit einer Übernahme erkundigen und schon beim Bewerbungsgespräch deutlich machen, dass eine Festanstellung das eigentliche Ziel ist.
4. Verantwortungsvolle Projektarbeit zählt: nur Praktika mit Erkenntnisgewinn machen.
5. Festanstellung ist nicht alles: Bedenken sie, dass ein regulärer Arbeitsvertrag nicht der einzige Rahmen zum Geldverdienen ist. Aus einem Praktikum können sich auch Freelancer-Jobs und Werkaufträge ergeben.
6. Warteschleife überbrücken: Praktika sind nicht der einzige Weg aus dem Nichtstun. Wieso nicht die Promotion durchziehen oder ein paar Monate in Bereichen jobben, für die sie vermeintlich überqualifiziert sind?"


Und um den letzten Punkt noch ein Mal aufzugreifen: Ist es nicht vielleicht besser, mit einem qualifizierten Abschluss gar keine Praktika zu machen? Der Gedanke liegt nah: Mit jedem Praktikum nach dem Abschluss sinkt der eigene Marktwert.

Um also erst gar nicht in die Praktikumsmühle zu geraten, ist zu raten: Praktika während Schul- und Uni-Zeit absolvieren, aber nicht erst nach der Uni damit anfangen. Und wenn es dann nach dem Abschluss trotzdem keinen festen Job gibt, hat man viel mehr Möglichkeiten, als noch ein Praktikum zu absolvieren: Promotion, befristete Stellen annehmen, Freelancer-Jobs,...


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Endlich: Chancen?

Nachdem in letzter Zeit immer von den Problemen der "Generation Praktikum" die Rede war und damit im Zusammenhang meist die Rede davon war, dass Praktika generell Ausbeutung bedeuten, gibt es langsam aber sicher auch Berichte, die die positiven Seiten von Praktika darstellen

Dieser Trend, an Praktika auch positive Seiten zu sehen, nimmt stetig zu. In der Welt weist beispielsweise der Berliner Bildungssenator Böger darauf hin: "Sicher sollten Schulen einen Teil der Ferien nutzen, um Betriebspraktika anzubieten". Die Frankfurter Neue Presse deckt auf, dass nicht nur Bildungssenatoren den Sinn von "frühen" Praktika erkannt haben und titelt: "Schüler wünschen sich Praktika".

Jawohl! Richtig eingesetzt sind Praktika sicherlich von Vorteil. Der Praktikumsknigge, ein gerade im Verlag clash jugendkommunikation erschienener Leitfaden zum Berufseinstieg, schlägt eine 3x3-Formel vor:

"Vor dem Studium oder in den ersten Semestern geht es darum, durch ein Praktikum die richtige Wunschbranche finden. Zur Hochschulhalbzeit geht es darum, die Branche näher kennen zu lernen und zum Studienende sollte der Praktikant so eigenverantwortlich wie möglich ein anspruchsvolles Projekt abwickeln, das auch als Referenz dienen kann. Drei Praktika also mit jeweils drei Monaten Laufzeit als Richtwert."

Trotz allen positiven Aspekten von Praktika, werden jetzt einige Leser vielleicht aufschreien und behaupten, dass hier zuuu positiv über Praktika gebloggt wird. Da widerspreche ich und verweise auf das Blog-Archiv und unser "Motto": Sinnvoll eingesetzte Praktika sind immer eine Chance - es gibt aber auch die Probleme der Generation Praktikum, die es eindeutig zu bekämpfen gilt.


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Was ist ein faires und qualifiziertes Praktikum?

Praktika bieten die Chance, sich früh beruflich zu orientieren. Sie unterstützen dabei, den passenden Beruf zu finden. Sie geben Studenten die Möglichkeit, erste Berufserfahrung zu sammeln und die erworbene Theorie in der Praxis anzuwenden. Sie sind im Idealfall ein Geben und Nehmen: Das Unternehmen profitiert von jungen, motivierten Nachwuchskräften mit pfiffigen Ideen oder neuen Perspektiven und der/die Praktikant/in sammelt Berufserfahrung und hat den Fuß in der Tür des vielleicht zukünftigen Arbeitgebers. Praktika ersetzen allerdings keine Berufsausbildung!

Erfüllt ein Praktikum folgende Kriterien, ist es ein gutes -ein qualifiziertes- Praktikum und kein Kostensenkungsfaktor des Unternehmens, das sparen will, indem es Vollzeitstellen durch Praktikantenstellen ersetzt:

1. Es wird ein Vertrag abgeschlossen, in dem folgende Punkte geregelt sind: Dauer, Inhalte, Vergütung und Urlaub.

2. Mit Beginn der Ausbildung wird der/die Praktikant/in über seine/ihre Rechte und Pflichten informiert.

3. Es wird ein monatliches Entgeld gezahlt. Wünschenswert wäre eine (Mindest-)Entlohnung von monatlich 350 Euro. Sollte es diese nicht geben, sollten Praktikanten zumindest leistungsgerecht entlohnt werden (in der Medienbranche beispielsweise durch Zeilengeld o.ä.).

4. Das Praktikum dauert maximal sechs, mindestens aber drei Monate. In dieser Zeit durchläuft die/der Praktikant/in eine fundierte Einführung, die Einblick in die betrieblichen Bereiche und den jeweiligen Produktionsablauf gewährt. Bei einem Jahrespraktikum ist auf eine angemessene Bezahlung zu achten.
Diese Art von Praktika schreit leider oft nach Ausbeutung, da in dem Fall meist Vollzeitstellen durch Praktikanten ersetzt werden. Überlege also gut, ob du ein solches Praktikum willst und vor allem, ob du es dir leisten kannst, bei der gebotenen Bezahlung.

5. Der/die Praktikant/in lernt in seinem/ihrem Praktikum mehrere Aufgabenbereiche kennen.

6. Dem/der Praktikant/in steht ein/e Betreuer/in zur Seite.

7. Im Verlauf eines Praktikums wäre es wünschenswert, wenn dem/der Praktikant/in die Teilnahme an geeigneten Bildungsmaßnahmen geboten wird. Denkbar wären hier Workshops oder Kurz-Seminare, die von dem Praktikumsunternehmen oder einer außerbetrieblichen Organistaion angeboten werden.

8. Eine Substituierung von Vollzeitstellen durch Praktikanten, vermeintliche Volontäre, Hospitanten o.ä. darf nicht stattfinden.
Das Praktikum dient vornehmlich zur beruflichen Orientierung während der Ausbildungsphase, nicht zur Kostensenkung des Unternehmens.

9. Praktikanten sollen nicht mit der vagen Aussicht auf eine anschließende Vollzeitstelle angelockt werden.

10. Nach Abschluss der Ausbildung hat der/die Praktikant/in Anspruch auf ein Zeugnis, das von der/dem Betreuer und/oder von der Geschäftsführung/der Personalleitung unterschrieben ist. Das Zeugnis muss Angaben über Art, Dauer, Inhalt und Ziel der Ausbildung sowie über die erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse des/der Praktikant/in enthalten. Auf Verlangen des/der Praktikanten/in sind auch Angaben über besondere fachliche Fertigkeiten aufzunehmen.

11. Nach Halbzeit soll der/die Praktikant/in in einem persönlichen Gespräch von dem/der Teamvorgesetzten oder Betreuer/in beurteilt werden. Spätestens hier sollte klar gemacht werden, ob Aussichten auf eine Übernahme bestehen oder nicht.


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Praktika wichtig für Berufseinstieg

Die Probleme der Generation Praktikum sind bekannt. Dennoch sind Praktika wichtig für den Berufseinstieg. Das zeigen auch die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von stellenanzeigen.de:

42 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass ein Praktikum auf jeden Fall eine positives Ergebnis bringt: Wenn es nicht in eine Festanstellung übergeht, so gibt es auf jeden Fall die Möglichkeit zu sehen, ob der Job das Richtige für einen ist. Immerhin
sind 12 Prozent der Befragten durch ein Praktikum an ihren jetzigen Job gekommen.


Unter den Befragten ist allerdings auch die Problemlage der Generation Praktikum nicht unbekannt:

58 Prozent sind der Meinung, dass sich die Unternehmen vor Festanstellungen drücken und bevorzugt Praktikanten als „günstigere“ Mitarbeiter einstellen.

Trotzdem sagen 42 Prozent, dass Praktika beim Berufseinstieg helfen. Nur 21 Prozent der Befragten hat das Praktikum nicht mehr gebracht, als endlich zu wissen, wie man richtig Kaffee kocht. Hingegen geben 46 Prozent der Befragten an, bei ihrem Praktikum viel Wissenswertes für ihre berufliche Zukunft erfahren und gelernt zu haben. Dass das Praktikum nicht den eigenen Vorstellungen entsprach, sagen gut ein Fünftel der Befragten.

Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die Generation Praktikum ein v.a. von den Medien überbewertetes Phänomen ist und dieser Generation offenbar gar nicht so viele angehören, wie von vielen vermutet. Andere Zahlen sprechen wiederum dagegen:

"Daß die Diskussion um Akademiker-Praktika trotzdem angebracht ist, zeigt eine Erhebung der Bundesagentur für Arbeit (BA). Danach entschieden sich im Juni 1999 etwa 3600 der dort betreuten Universitätsabsolventen für ein Praktikum. Im September 2004 waren es 8600..." schrieb die FAZ.

Der Übergang von der Uni in das Berufsleben scheint also schwieriger geworden zu sein, besonders in krisengeschüttelten Branchen wie der Architektur- oder Medienbranche - aber nicht nur dort. Aber trotzdem werden Praktika überwiegend noch als wichtig für den Berufseinstieg angesehen und das sind sie auch.

Was sich ändern muss sind die Einstellungen der Unternehmen, Akademiker anstatt als Festangestellte lieber als Billig-Praktikanten einzustellen. Genauso aber sollte unter den Akademikern die Bereitschaft abnehmen, nach dem Studienende ein Praktikum zu absolvieren. Besser: Zeitarbeit oder befristete Stellen, wenn auch nicht unbedingt in der Wunschbranche.

Praktika an sich jedoch sind wunderbare Hilfen beim Berufseinstieg und bieten v.a. auch Schülern oder Schulabgängern sowie Studenten im Grundstudium beste Einstiegsmöglichkeiten. Denn: Je früher Praxisluft geschnuppert wird, desto mehr Erfahrungen sammelt man, desto interessanter macht man sich bei Personalern, desto schneller baut man sich ein Netzwerk auf und letztlich: desto schneller kann man in's Berufsleben einsteigen.


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