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DIHK: Neue Schutzregeln für "Generation Praktikum" kontraproduktiv

Die Maßnahmen, die im Gespräch sind, um den angeblich verbreiteten Missbrauch von Praktika einzudämmen, würden vor allem den Praktikanten selbst schaden: Jährlich würden mindestens
100.000 Praktikantenstellen für Hochschulabsolventen weniger angeboten werden. Das mag zumindest eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter mehr als 1.100 Unternehmen herausgefunden haben.

Zur Diskussion stehen derzeit folgende gesetzliche Maßnahmen für Praktikanten:
- die Definition des Praktikumsbegriffs im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB).
- Festschreibung der Regeln des Berufsbildungsgesetzes (BBiG), dass Praktikanten, die über eine abgeschlossene Ausbildung verfügen, ein Anrecht auf „angemessene“ Vergütung haben, im BGB.
- Beweislastumkehr: Im Streitfall soll der Arbeitgeber im Nachhinein beweisen müssen, dass es sich um ein Praktikanten- und nicht um ein Arbeitsverhältnis gehandelt hat.
- Ausschlussfristen, nach deren Ablauf Arbeitnehmer ihre Ansprüche nicht mehr geltend machen können, sollen für Praktikanten überhaupt nicht mehr gelten. Zudem: Praktikantenverträge sollen künftig zwingend schriftlich geschlossen werden.

Besonders die letzten beiden Punkte stoßen bei Unternehmen sauer auf:
Müssten Unternehmen im Streitfall beweisen, dass es sich bei dem absolvierten Praktikum um ein Lernverhältnis und nicht tatsächlich um ein Arbeitsverhältnis gehandelt hat, würden knapp 45 Prozent der Unternehmen keine Praktika und 28 Prozent der Unternehmen weniger Praktika anbieten.

Bei einem Wegfall der Ausschlussfristen, nach denen Praktikanten im Nachhinein Ansprüche bei Unternehmen geltend machen können, würden 54 Prozent aller Unternehmen keine Praktikantenstellen für Hochschulabsolventen mehr anbieten. 25 Prozent der Unternehmen würden zumindest weniger Hochschulabsolventen die Chance auf ein Praktikum einräumen.

"Auch ich bin natürlich gegen einen Missbrauch von Praktikanten als unbezahlte Arbeitskräfte – im Interesse der Jugendlichen, aber auch eines fairen Wettbewerbs", sagte der DIHK-Präsident. "Doch die geltenden Gesetze sind hier bereits völlig eindeutig und ausreichend. Sollte es Defizite bei Information und Anwendung dieser Regeln geben, muss Politik hier ansetzen – nicht aber mit neuen Gesetzen den jungen Menschen schaden."


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Österreich: Studie zur Generation P

Der Bund Sozialdemokratischer Akademiker Österreichs hat im Rahmen einer Studie in ganz Wien 1.000 JungakademikerInnen befragt zur Arbeitsmarktsituation befragt. Die Ergebnisse: 49 Prozent sehen Praktika als finanzielle Belastung. 70 Prozent wünschen sich einen Minimallohn für Praktika, 64 Prozent stehen eventuellen kollektivvertraglichen Regelungen positiv gegenüber.
Ein Drittel der Befragten bewerten die Situation am Arbeitsmarkt für Universitätsabsolventen als schlecht und 62 der JungakademikerInnen sehen sich von prekären Arbeitsverhältnissen betroffen. Lipinski bemerkte, dass sich während
der Befragung gezeigt habe, dass das sogenannte "trainee hopping" immer mehr werde. Firmen würden Jungakademiker im eigenen Unternehmen von traineeship zu traineeship weiterreichen, ohne diese anzustellen.

Abgefragt wurde auch, welche Maßnahmen sich die Akademiker gewünscht hätten, um ihnen das Studium zu erleichtern. Um die
Situation auf dem Arbeitsmarkt zu erleichtern, wünschen sich 84 Prozent Förderungsmodelle für Unternehmen, die JungakademikerInnen nach der Probezeit eine Anstellung geben und 67 Prozent wünschen sich eine verpflichtende Einführung von Kollektivverträgen für JungakademikerInnen.


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Empirie: Trend der Generation Praktikum bestätigt

Bildungspolitik ist in Deutschland Chefsache. Und dennoch: Auch der zweite Nationale Bildungsbericht der Kultusministerkonferenz fördert nach wie vor Alarmierendes zu Tage. Danach haben vier von zehn Jugendlichen ohne Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss auch zweieinhalb Jahre nach Verlassen der Schule noch keinen Ausbildungsplatz. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht die Ursache des Lehrstellenmangels für Hauptschulabgänger in der schlechten Qualifikation: Etwa 20 Prozent der Jugendlichen könnten gerade mal auf Grundschulniveau lesen, schreiben und rechnen. Unter anderen Voraussetzungen, so der DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben, könnten mindestens 30.000 Ausbildungsplätze mehr angeboten werden. Damit stellt sich die Frage, ob die Einführung eines Ausbildungsbonus für Betriebe, die so genannten "benachteiligten Jugendlichen" eine Lehrstelle geben, auf große Akzeptanz bei den Ausbildungsbetrieben stößt - und ob die Investition nicht unter Umständen fehlgeleitet ist. Fakt ist in jedem Fall: Die Bildungsausgaben in Deutschland liegen unter dem OECD-Schnitt, so der Nationale Bildungsbericht, und halten nicht mit dem Wirtschaftswachstum Schritt. Und während Angela Merkel die abstrakte Vision von der "Bildungsrepublik Deutschland" verfolgt und sich im Rahmen einer "Bildungsreise" so zu sagen ein Bild machen möchte, fordert die Opposition den "Bildungssoli". Es bleibt also weiterhin spannend.

Jobs.de durchsucht täglich über eine Million Websites deutscher Unternehmen nach Stellenanzeigen. Die daraus generierten Daten wertet die JobScout24 GmbH monatlich nach Bundesländern und Großstädten, Tätigkeitsbereichen sowie den ausgeschriebenen Positionen aus.
Einige interessante Ergebnisse aus dieser Analyse bestätigen das Phänomen "Generation Praktikum" in Deutschland.

Von allen analysierten Stellenausschreibungen richten sich lediglich 4 Prozent aller ausgeschriebenen an Schulabgänger (Ausbildungsplätze). Noch spärlicher gesäht sind mit einem Anteil von 3 Prozent die Vakanzen, die sich an Berufseinsteiger mit abgeschlossener Ausbildung oder Studium wenden. Hier macht sich der Trend zur "Generation Praktikum" bemerkbar: 9 Prozent aller Ausschreibungen sind Praktika.


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Studie: "Deutschland hat ein Praktikanten-Prekariat"

Die Ergebnisse der repräsentativen Studie "Was ist gute Arbeit - Anforderungen an den Berufseinstieg aus Sicht der jungen Generation", in Auftrag gegeben vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin liegen vor: Von allen freiwilligen Erst-Praktika, die nach Abschluss einer beruflichen Ausbildung absolviert wurden, waren 51 Prozent unbezahlt, 12 Prozent unangemessen und 37 Prozent angemessen vergütet. Knapp die Hälfte war während des Praktikums auf die finanzielle Unterstützung anderer angewiesen. Somit erhalten mehr als die Hälfte der Praktikanten mit Berufsabschluss trotz des auch derzeit geltenden Rechtsanspruches keine Vergütung. Ein hoher Anteil gab an, als normale Arbeitskraft eingesetzt worden zu sein; 30 Prozent der freiwilligen Praktikanten fühlten sich ausgenutzt.

Damit stellen sich die befragten Berufseinsteigerinnen und -einsteigern im Alter von 18 und 34 Jahren mehrheitlich hinter die DGB-Forderungen: 50 Prozent sind der Auffassung, dass Praktika auf die Zeit vor Ende der Ausbildung begrenzt werden sollten, 63 Prozent befürworten die Einführung einer Mindestvergütung, 64 Prozent sind für eine gesetzliche zeitliche Begrenzung von Praktika.


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Prof. Scholz: In Zukunft keine Dauerpraktikanten mehr

Professor Christian Scholz, der schon im Februar behauptete, Praktikanten zum Nulllohn lohnen sich für kein Unternehmen, ist fest davon überzeugt, dass die Zeiten, in denen Firmen nach Belieben Dauerpraktikanten eingestellt haben, vorbei sind - weiter noch: Diejenigen Arbeitgeber, die das nicht verstehen werden in Zukunft große Probleme bekommen. Das sagte er kürzlich gegenüber dem Magazin NEON.

Der Praktikant wird sich nicht mehr kaffeekochend und ohne Aussicht auf eine Festanstellung von einem Praktikum zum nächsten hangeln. Er wird mit dem Unternehmen verhandeln, klare Ziele formulieren, Projekte übernehmen und sein Wissen einbringen, so Scholz weiter.

Soviel zu seiner These, nun zu seinen Argumenten:
Demotivierte Dauerpraktikanten wirken sich negativ auf das Betriebsklima aus und letztlich auf den Ruf des Unternehmens - schaut man sich die Anlaufstellen für Praktikanten im Internet an, oder die Tatsache, dass Medien mittlerweile sensibilisiert sind für den Umgang mit Praktikanten.
Doch noch etwas ändere sich: "Durch die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge sind Studiengänge verschulter und kürzer geworden. Viele Studenten haben überhaupt nicht mehr die Zeit, (...) Praktika zu absolvieren. (...) Sie wollen oder können keine Praktika mehr machen, gleichzeitig boomt die Wirtschaft und Unternehmen suchen Mitarbeiter."
Mit der Verbesserung der wirtschaftlichen Situation ändere sich auch die Situation der Praktikanten, so Scholz: Gute Absolventen bräuchten nach dem Studienende kein Praktikum mehr - und wenn, dann haben in Zukunft beide etwas davon: Im fairen Selektions- oder Ausbildungspraktikum können Unternehmen neue Mitarbeiter finden, beim Impulspraktikum können sie neues Wissen einholen.

Eine Sicht der Dinge. Eine andere hat NEON-Leserin vampyrella. Sie schreibt:
"In den großen Unternehmen wird es sicherlich drauf hinauslaufen. Aber in den mittelständischen/Kleinunternehmen nicht. Für viele dieser Unternehmen sind Praktikanten fest eingeplant als unbezahlte Putze, Bierholer und/oder Mit-dem-Hund-Gassi-Geher. Hab selber schon Praktika gemacht. Fachlich hab ich nicht viel mitbekommen, stattdessen sollte ich, um die Fenster von aussen zu putzen, auf's Dach klettern".

Was meint ihr zu der These des Saarbrücker Professors für Betriebswirtschaftslehre, Christian Scholz?

PS: Das ausführliche Interview mit Professor Scholz lest ihr in der aktuellen NEON von Februar 2008 auf den Seiten 97-98.


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